tensions
Concerto 4/2009
Tensions
Der Name der von Georg Ertl initiierten Konzertreihe „tensions- zuletzt war im Stephaniensaal Graz das Trio Muthspiel/Gregorian/Towner zu hören – darf als Versprechen gesehen werden, bedeutet der englische Ausdruck doch Spannung oder Hochspannung. Tensions sind im Jazz aber auch bestimmte Akkordtöne, die einen Akkord besonders färben, ihm eine gewisse Spannung –Tensions – geben. Eine weitere Bedeutung, Gespanntheit, verbindet die Konzerte mit Ertls Geigen- und Bogenbaufirma „violins“. Sich zwischen verwandten Dingen zu bewegen und diese zu ermöglichen, zeichnen den kommunikativen, Energie geladenen Wahlgrazer aus, der immer wieder neue Bereiche für sich entdeckt.
Die konzertanten „tensions“ und handwerklichen „violins“, zu denen sich noch der Notenverlag, Antiquariats- und Musikalienhandel „ergeo“ gesellt, sind seit Jänner 2009 an einem neuen zentralen Standort in unmittelbarer Nähe zur Grazer Musikuniversität versammelt. Den 1957 geborenen, in Unzmarkt, St. Georgen und Judenburg aufgewachsenen Ertl „verschlug“ es in jungen Jahren in die Gastronomie, in der er mit viel Engagement bis 1994 als Selbständiger mit mehreren Unternehmen tätig war. Dazu zählten das „Cafe Paradox“ im Museum der Wahrnehmung und das damals berühmte „Jazzcafe Bohemia“, „wo zahlreiche Konzerte, Ausstellungen und Lesungen ‚über die Bühne’ gingen - ein regelmäßiger Gast war Wolfi Bauer. Hier spielten auch die Brüder Muthspiel, mit deren Familie in Judenburg ich seit meiner Jugend eng verbunden bin. Neben ihrer Musikalität haben mich dort vor allem ihr offener Zugang zu verschiedensten Bereichen und die durchaus divergent geführten, intensiven Diskurse immer fasziniert.“
Vom Gastronom zum Geigenbauer
Die langjährige Tätigkeit als Gastronom, verbunden mit wenig Einkommen, anstrengender Wochenend- und Nachtarbeit und dem damit verbundenen Fehlen von Zeit für die Familie bewogen ihn zum gänzlichen Umstieg: „Die Liebe zum organischen Material Holz stammt sicher aus meiner Kindheit, die ich in großem Ausmaß auf dem Bauernhof der Eltern meiner Mutter in St. Georgen erlebt habe. Mein Vater, der die Drechselschule in Kuchl besucht hatte, restaurierte und renovierte auch immer zu Hause, baute vieles selbst.“ Ertl verkaufte 1994 alle Betriebe bis auf ein Lokal, dessen Pacht seine dreijährige Lehre im zweiten Bildungsweg bei einem Geigen- und Bogenbauer im Burgenland finanzierte. „In der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums vervollständigte ich mein Wissen vor allem auf dem Gebiet der Restaurierung, Renovierung und Rekonstruktion.“
Manager, Verleger und Veranstalter
Nach dem Erwerb des „offiziellen“ Gewerbescheins „Streich- und Saiteninstrumentenerzeuger/Bogenbau 1998 entwickelte sich ab 2001 auch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Georg Ertl und dessen Schwager Wolfgang Muthspiel, dessen Label Material Records und persönliches Management & Booking er betreute, beginnend mit „Daily Mirror“, „Echoes Of Techno“ und „Beloved“. „Die für beide Seiten lohnende Kooperation und erlebnisreiche Aufgabe beendete ich jedoch 2008 aus Zeitgründen. 2006 gründete ich den Buch-, Musik- und Notenverlag ,ergeo’ neu, der in unmittelbarer Nähe von ,violins’ angesiedelt war. Der Verlag und dessen verwandte ,musikalische’ Themen füllen eine in der Steiermark vorhandene Marktlücke. Bisher erschien, ,Styria Cantat’ (15 Auftragskompositionen, u.a. von Kühr, Furrer oder Muthspiel für den Steirischen Sängerbund), ‚Styria Cantat 2’ entsteht gerade. Neben Stefan Osers Gitarrenwerk ,confluenzia’ sorgten vor allem die von Bernie Mallinger, Geiger des Radio String Quartetts, für Streichquartett arrangierten Kompositionen John McLaughlins ;Celebrating The Mahavishnu Orchestra’ für Aufhorchen in der Fachwelt.“
Mit den Verlagsprojekten füllt Georg Ertl eine „bestehende Nachfragelücke, für manche Ideen ist der Weg zu großen Verlagen einfach sehr schwierig“. Die Uraufführung des Radio String Quartetts führte zur bislang „letzten“ Firmengründung „tensions“. Zwischen den „Bohemia“-Veranstaltungen und vor „tensions“ gab es 2004 ein Mitternachtsweihnachtskonzert mit Musyl & Joseppa und Wolfgang Muthspiels Werk ,Bearing Fruits’ mit den Zistersiensermönchen des Stiftes Zwettl, aufgeführt in der Wiener Minoritenkirche und der Basilika von Stift Rein, eine internationale Tournee folgte.
Die Zukunft
Es wird zwar weiterhin Jazzkonzerte geben, „doch will ich mich verstärkt im klassischen Bereich bewegen, nicht nur einige große Jahresregenten stehen bevor, auch meine Mitarbeit in der Vokalakademie Styria mit Jugend- und Seminararbeit legen dies nahe, dazu kommen Künstlergespräche und – vor allem meine Arbeit an der Hobelbank“. Eine runde Sache – alles passt zusammen, wie bei einem gut verleimten, klingenden Musikinstrument.
Thomas Hein
muthspiel grigoryan towner
Wolfgang Muthspiel Slava Grigoryan Ralph Towner
„tensions“-Konzert im Grazer Congress: Gitarrentrio MGT
kronenzeitung. 6. März 2009
Stilübergreifende Aha-Erlebnisse
Drei Handschriften der Gitarrenmusik vereint das „MGT“, ein Kürzel, das für „Master Guitar Trio“ ebenso stehen kann wie für „Muthspiel-Grigoryan-Towner“. Im überdimensionierten und daher nur mäßig besuchten Stefaniensaal gaben Ralph Towner und seine jüngeren Kollegen ein Weltklasse-Konzert.Damit eine so hochkarätige Zusammenkunft nicht zur technischen Show verkommt, braucht es klare künstlerische Positionen, die zunächst in einer solistischen Vorstellungsrunde auch bezogen wurden: Slava Grigoryan beschwor mit William Loveladys „ The Sounds Of Rain“ den runden, warmen Klang angelegter Einzelnoten, die Unaufdringlichkeit klassischer Tradition. Wolfgang Muthspiels mit sattem Federhall versehene und gelegentlich in Loops kreisende Instrumente pflegten schwebende Jazz-Skalen, entfernten sich am weitesten von den folkloristischen Wurzeln der Kunst.
Bei Ralph Towner schließlich drehte sich alles: Der in Rom lebende Amerikaner geht vom Groove der Zupfhand aus, opfert dem Ausdruck manches saubere Detail. Seine Gitarren klangen „am spanischsten“: Feingliedrig sein „Catching Up“, eindringlich „Solitary Woman“, eine düstere Rockballade mit den Mitteln der Zwölfsaitigen.
Den Rest des Abends bestritten die Musiker gemeinsam mit Auszügen ihrer Platte „ From A Dream“ (Material Records/Lotus). Vom Wahnsinn synchroner 32stel-Läufe bis zu großen Aha-Erlebnissen stilistischer Synergien blieb kein Wunder aus. Dieses Trio vereint drei musikalische Welten so ungezwungen wie brillant.
M. Wagner
Kleine Zeitung, 6. März 2009
Virtuos an den Saiten
Graz. Im Stephaniensaal brillierten Wolfgang Muthspiel, Slava Grigoryan und Ralph Towner als Master Guitar Trio jeweils solo, im Duo und zu dritt. Als Repertoirefaden diente die erste gemeinsame CD „ From A Dream“ (material records). Der in Australien lebende Kasache Grigoryan (32) beeindruckte zum Auftakt mit feiner Technik. „Lokalmatador“ Wolfgang Muthspiel (44) brillierte als Einziger elektrisch und mit Loops. US-Altmeister Ralph Towner (68) bestach mit souveräner Virtuosität. War das Spiel aller vor der Pause etwas zu kontrolliert, wandelte sich das Klangbild danach deutlich. Im Trio zeigte GMT bei höherem Improvisationsanteil mehr Emotion und Feuer.
SAM
'confluencia' stefan oser
erschienen im verlag ergeo
akustik gitarre, 5/08, september / oktober 08
in diesem band hat der österreichische gitarrist stefan oser eine reihe neuer eigenkompositionen für akustikgitarre zusammengefasst. der autor studierte instrumentalpädagogik und gitarre in graz und kann auf einen mehrjährigen aufenthalt in südamerika verweisen. das hört man, denn stilistisch geht es in diesem band um latin-beeinflusste musik.
zum meistern der stellenweise anspruchsvollen kompositionen sollte man über eine profunde erfahrung im fingerstyle-bereich verfügen.
'confluencia' ist kein primär pädagogischer band. zwar steigt der schwierigkeitsgrad allmählich an, doch es gibt keine technischen erklärungen zu den stücken, keine vorübungen, keine tabulatur. man sollte also des notenlesens auf gehobenem niveau mächtig sein. allerdings wäre es schade, wenn osers werk aus diesem grunde nur in die hände von klassikgitarristen gelangt. musikalisch hat es nämlich eine menge zu bieten und macht richtig neugierig auf den autor. die stücke eignen sich für den solistischen vortrag, zum duo-spiel (es gibt praktisch durchgegehnd akkordangaben) oder für kleines akustisches ensemble. so ist auch die beiliegende cd aufgebaut, auf der man alle stücke in guter qualität anhören kann. leider hat der autor die gelegenheit verpasst, die tracks mit rhythmusgruppe in einer playalong-version zu liefern. fazit: ein gelungener repertoire-band für übewillige und technisch fortgeschrittene fingerstyle-zupfer, die ein faible für moderne südamerikanische klänge haben.
andreas schulz, akustik gitarre
amarcord wien & albert hosp
„tensions“-Konzert im Grazer Congress
kronenzeitung. 17. jänner 2008
Geschmack vor Theorie
Gute Musik braucht kein Stilkorsett, sondern Geschmack. Diesen Beweis trat das Wiener Quartett Amarcord – wortwitzig moderiert durch Albert Hosp – im Kammermusiksaal des Congress an, und zwar mit Werken des Pariser „Extravaganzlers“ Erik Satie in zauberhafte Arrangements für Violine (Sebastian Gürtler), Akkordeon (Tommaso Huber), Kontrabass (Gerhard Muthspiel) und Cello (Michael Williams). Der leutselige Abend profitierte nicht zuletzt von einer schlüssigen, humorvollen Inszenierung, wenn etwa Gürtler den Pariser Charme mit seiner eingestreuten Eigenkomposition „Der Herrgott und die Geig’n“ nach Wien übersetzte. Das Publikum konnte herzhaft lachen und den mit Feinsinn und herrlichem „Sound“ interpretierten Gymnopédien, Tänzen, Parodien gebannt lauschen. Hosp las biographische Anekdoten, formte ein rundes Programm vollends zur Kugel.
M. Wagner. Kronen Zeitung
Erik Sati
Amarcord Wien & Albert Hosp
Kleine Zeitung, 17. Jänner 2008-03-07
Berauschend und geistreich wie Absinth
„Ich will sofort nach Paris!“, flüsterte jemand im Kammermusiksaal schon beim ersten feinen Walzer. Quasi ein gesprochener Applaus für das Wiener Ensemble „Amarcord“, das mit Erik Satie (1866-1925) auf den Monmartre lockte und mit Geige, Cello, Kontrabass und Akkordeon vor Ohren führte, was der als „Herumdrescher auf dem Elfenbein“ verunglimpfte in Wahrheit für ein genialer Kreuz- und Querdenker war. In süffigen Arrangements voll Witz und Spielwitz macht sich das Quartett von Volksopern-Musikern das pointierte Material des Franzosen (auch auf CD, material records) zu eigen und bietet pure „Satiesfaction“. So dürfen etwa dessen „Gnossiennes“ auch frech nach Sirtaki, Tzigan oder Schtetl klingen. Ö1-Sprecher Albert Hosp war ein klug erzählender Domestik auf der auch von Debussy, Tangos und Sambas gesäumten Tour de France.
Michael Tschida
dhafer youssef & wolfgang muthspiel
GMD graz: „tensions“ brachte das duo muthspiel/youssef
kronen zeitung (steirerkrone), fr 9. november 2007
intelligenz in hellwacher trance
Es waren Synergie-Effekte der umwerfenden Sorte, die der tunesische Wahlösterreicher Dhafer Youssef und der Österreicher Wolfgang Muthspiel in der Grazer Generalmusikdirektion entfesselten. Das Duo präsentierte Ausschnitte und Improvisationen entlang seines heuer erschienen Albums „Glow“.
Eine verteufelt schöne Ästhetik hat dieses Gespann gefunden. Eine Ästhetik, die sich aus dem souveränen Überblick über die Geschichte und Geographie des Jazz, der Klassik, der Weltmusik speist, diese zu dichten musikalischen Erzählsträngen verwebt.
Mit den begnadeten Musikern versinkt das Publikum in hellwache Trance, man staunt über die gleichberechtigte Bühnenpartnerschaft, über die technische Abgebrühtheit, die sich mit intuitiver Unvoreingenommenheit paart. Da sind zum einen diese spannenden Skalen, die Unvorhersehbarkeit in Muthspiels Akkordfolgen, unprätentiös gegeneinander gesetzt und elegant verwoben. Zum andere die warme, tragende Stimme Dhafer Youssefs, warm gebettet und formvollendend, manchmal in nasalen Überhöhen, immer jedoch im richtigen Augenblick. Dem Oud entringt Youssef sperrige Versatzstücke, zuweilen synchron mit Wolfgang Muthspiels Arpeggi. Mitreißende Grooves werden „geloopt“, ruhige Momente zu berührender Schönheit gedehnt. Der Kitsch bleibt zur Gänze ausgespart, weil hier zwei Musiker mit Humor agieren, weil der Einsatz elektronischer Hilfsmittel meisterhaft und der Sound zeitgemäß ist. Intelligenz und Kultiviertheit umgeben sich gerne mit einer Atmosphäre der Sauberkeit. Muthspiel und Youssef haben gründlich durchgeputzt.
M. Wagner
christian muthspiel trio
charakterkopf, kunstsinnig geschliffen
christian muthspiel & co ehrten werner pirchner
kleine zeitung, 3.10.07
live lässt sich dem vom "christian muthspiel trio" gespielten pirchner/pepl-programm durchaus eine facette mehr abgewinnen. vielleicht sogar eine mitentscheidende, wenn es um den geist von werner prichner geht, der an diesem "alpenländisch multimedialen" abend in der generalmusikdirektion geradezu im raum zu schweben schien.
nicht nur, weil man zwischendrin auch den längst zum kultfilm mutierten kurzstreifen "der untergang des alpenlandes" (1974!) präsentiert bekam, sondern auch, weil das mit franck tortiller (vibraphon) und georg breinschmid (bass) hervorragend eingespielte trio den kompositionen des tiroler charakterkopfes oft geradezu auratische stimmung gab. ein grandioses konzert von oft berührend kammermusikalischer intimität, in dem harry pepl, der kongeniale partner pirchners im legendären "jazzzwio", nur gestreift wurde.
dass muthspiel und die seinen die komposition des alpenländischen frank zappa nicht so streng gegen den strich bürsten, sondern mit wachem ensemblegeist am inneren ausdruck feilen, gibt jeder nummer schließlich nur ihren besonderen charakter. heiter und anmutig.
otmar klammer
tensions
auftakt zu neuer jazz-konzertreihe
kleine zeitung, 26.01.07
"meditations" von charles mingus, eine gamben-fantasie aus der renaissance, ein verfremdetes kärntnerlied von wolfgang puschnig für sechs kontrabässe, geht das? ja, das geht. und wie! das "acoustic bass sextett vienna" zieht andere saiten auf und lädt ein zu einer reise durch die klangspektren komponierter und improvisierter musik. ein im wortsin tiefgehender auftakt also zum neuen grazer konzertzyklus "tensions", der sich künftig dem jazz und der avandgarde widmen wird. neben den dickbäuchigen brummern aus wien werden bei weiteren fünf konzerten die brüder muthspiel, das radio.string.quartet und das ensemble amarcord für gespitzte ohren sorgen.
klingendes handwerk
steirer des tages
kleine zeitung, 25.01.07
georg ertl hat in graz seine träume wahr gemacht und wurde vom gastronom zum geigenbauer, musikverleger und veranstalter
"alles, was ich in meinem leben gemacht habe, ist irgendwie aus meinen träumen entstanden", sagt georg ertl. "natürlichist der existenzielle aspekt ein wesentlicher, vor allem, wenn man kinder hat, aber man soll doch das tun, was einem freude bereitet. nicht, dass der in graz ansässige musikliebhaber nicht wüsste, was es heißt, um seine wirtschaftliche existenz zu kämpfen. seit dem frühen tod seines vaters arbeitet ertl, der sich vor kurzem mit einer eigenen geigen- und bogenbauwerkstatt mit angrenzendem musikalienhandel in der körösistraße einen lang gehegten traum erfüllt hat, in der gastronomie. er, der immer gerne handwerklich gearbeitet und die "liebe zum holz vom vater mitbekommen" hat, "wächst irgendwie hinein" und führt ab 1984 eigene lokale wie das jazzcafe bohemia oder das cafe sonnenstraße. immer hat er die kunst im auge, lädt in seinen cafes zu konzerten und ausstellungen. "nicht, dass es nicht spaß gemacht hätte, aber irgendwann wusste ich, jetzt will ich etwas anderes machen." ertl sattelt radikal um, lässt sich zum geigenbauer ausbilden und arbeitet zunächst von seiner wohnung aus. dort baut er ab 2001 auch das management von jazz-gitarrist wolfgang muthspiel auf. "das allein wurde so aufwändig, dass der platz für cds und material nicht mehr ausgereicht hat." auf 200 quadratmetern hat ertl nun endlich genug raum für derzeit rund 5000 musikalien, den musikverlag 'ergeo', in dem er am 15. februar die chromusik-edition "styria cantat" herausbringt, und sein büro, in dem konzerte wie die des acoustic bass sextetts vienna geboren werden.
karin feldbacher
musyl & joseppa
mitternächtlicher publikumsmagnet
kronenzeitung, 24.12.04
schon tradition hat das weihnachtliche mitternachtskonzert von musyl & joseppa. heuer konnten die beiden vollblutmusiker wieder eine reihe von "alten freunden" aktivieren, die mit ihnen gemeinsam den 24. dezember ausklingen lassen. so gibt der european-jazzprize-gewinner wolfgang muthspiel ebenso ein gastspiel wie ein gesangsquintett um katharina schicho und ein streichquartett unter der leitung von eva lenger. die musik von musyl & joseppa ist wie gewohnt eine gekonnte mischung aus ost und west, aus alt und neu. "ein freund ging nach amerika" ist ebenso zu hören wie lieder aus persien und afghanistan. das konzert, das um punkt 24 uhr beginnt, ist für all jene gedacht, die den weihnachtsabend stimmungsvoll ausklingen lassen möchten. aber achtung, der andrang wird groß sein.
bass instinct
acoustic bass sextett vienna
kleine zeitung, 30.01.07
in der generalmusikdirektion gab ein ensemble der besonderen art zeugnis kreativer vielfalt. das "acoustic bass sextett vienna". geleitet von peter herbert, der auch für die meisten arrangements und kompositionen verantwortliche zeichnet, bewies zum start der neuen konzertreihe 'tensions' virtuosen "bass instinct". hier bogenstrich mit essstäbchen der marke "running sushi", da spannender perkussionswirbel, dort originelle umsetzung eines hackbrettstückes, zeigte das kammermusik-programm den kontrabass von allen saiten. höhepunkt war das zwanzigminütige "filmrequiem", die vertonung einer visuellen arbeit der künstlerin elisabeth kopf, das den sechs akteuren (gins schwarz, einzige dame des basszirkels, sei hier hervorgehoben) höchste konzentration abverlangte.
sam
styria cantat
offene tore zur gegenwartsmusik
kronenzeitung, 17.02.07
der steirische sängerbund präsentierte die ergebnisse seines projektes "styria cantat - neue chormusik aus der steiermark für kinder- und jugendchöre" in der zum bersten gefüllten (von hausherrin kathryn list bereit gestellten) helmut-list halle. es war ein schönes fest, das am ende einer zukunftsweisenden idee stand.
die von lh-stellvertreter hermann schützenhöfer zur "steirerin des tages" ernannte projektleiterin gertrud zwicker führte gemeinsam mit sängerbund-obmann baldur heckel durch das programm: 16 steirische kinder- und jugendchöre verschiedener altersklassen traten mit eigens komponierten werken zeitgenössischer steirischer komponistInnen ins rampenlicht einer initiative, die der gegenwartsmusik endlich breiteres gehör verschaffen will. das konzept, den zugang über die jugend zu suchen, besticht durch logik. "die kinder staunten, dass es komponisten gibt, die noch leben", erzählte christian muthspiel und unterstrich die bedeutung der teilnahme nicht spezialisierter schulen. so trug die grazer karl schubert schule ihren integrativen anspruch mit henrik sandes vokal-konsonantischer "tanzmusik xxx" auf die bühne. kinder gerecht und dennoch "neu" erklang anselm schauflers lautmalerischer "mückentanz" für die musikvolksschule st.peter, die grazer keplerspatzen spielten ihre klasse mit beat furrers "enigma" aus. vieles blieb klassisch.
m. wagner
styria cantat
junge stimmen und schräge typen
kleine zeitung, 17.02.07
von "tria-lei-ho" bis "enigma" beiendruckte "styria cantat" mit 15 uraufführungen
"es stimmt nicht, dass diese musik nicht gefällt. es braucht nur mehr zeit und mehr mut, um überzeugen zu können", sagte pierre boulez über die neue musik. mit diesem zitat erläutert gertrud zwicker ihre intentionen zum projekt "styria cantat". 15 zeitgenössische komponisten, darunter so rennomierte namen wie beat furrer, gerd kühr oder klaus lang, konnten dafür gewonnen werden, für kinder- und jugendchöre werke zu schreiben. und 15 chöre aus der steiermark sorgten für eine höchste beeindruckende umsetzung in den uraufführungen. den komponistenpersönlichkeiten entsprechend geriet die steirische leistungsschau sehr abwechslungsreich. so vertonte chrstian muthspiel einen melodiösen jodler "tria-lei-ho" für die volksschule st.ulrich im greith, anselm schaufler ließ die musikvolksschule st.peter einen kindgemäßen "mückentanz" aufführen, während gerhard präsent dem jugendensemble des domchores ein getragenes "pater noster" schrieb. über klaus lang befragt, urteilten zwei der grazer kapellknaben treffend mit: "ein schräger typ, aber die musik ist super". nach werken von sigrid riegebauer, georg winkler, jörg-martin willnauer, walther neumann und viktor fortin, die die hörer mit eher gewohnten tonstrukturen konfrontierten, fesselten besonders gerd kührs sensible rilke-vertonung "an die musik" (landesjugendchor cantanima) und beat furers "enigma", das, interpretiert von den grazer keplerspatzen, einen faszinierenden sog einfaltete. styria cantat: das notenbuch mit neuer chormusik aus der steiermark für kinder und jugendchöre ist im verlage ergeo erschienen.
eva maria schulz
radio.string.quartet
kleine zeitung, 11. märz 07
keine geringere vorlage als die legendären aufnahmen des 'mahavishnu orchestra' von fusiongitarrist john mclaughlin haben sich die vier vom radio.string.quartet als vorlagefür ihr neues programm gewählt. keine leichte aufgabe - stehen doch die im jazz der 70er-jahre einige wichtige rolle spielenden elektrifizierten verfremdungen den "trockenen" streichinstrumenten gegenüber. dass bernie mallinger, johannes dickbauer, cynthia liao und asja valcic diese herausforderung bravourös meistern, belegt ihr jüngster erfolg beim jazzfest berlin, der ihnen gleich einen plattenvertrag beim renomierten deutschen label act einbrachte. john mclaughlin - von der qualität des radio.string.quartets restlos überzeugt - widmete dem aktuellen album sogar persönlich den covertext. "das radio in unserem bandnamen steht für aktuelle, zeitgenössische musik, für musikalische vielfalt und auch für unterhaltung", erläutert asja valcic. das ergebnis: klassik meets jazz auf höchster ebene, ein spannendes, innovatives klangerlebnis.
brian blade & wolfgang muthspiel
ein jazzduo als freundlich reisende
kleine zeitung, 01.04.07
der österreichische gitarrist und komponist wolfgang muthspiel, 2003 von einer internationalen jury zum "european jazzmusician of the year" gewählt, ist immer auf der suche nach neuen künstlerischen herausforderungen. so entstand beim festival jazz baltica 2006 die duoformation mit superdrummer brian blade. beide musiker komponieren für das ensemble. die zwei pole, zwischen denen sich ihre musik abspielt, sind einerseits der songcharakter, inspiriert von joni mitschel, bob dylan und einer "lagerfeuergitarre", andererseits ein rhythmisch straffes und wendiges spiel mit dem beat. "blade, als der perkussiv singende sensibilist mit seinen typischen mini-explosionen und dieser merkwürdigen fragmentierung des swing, ohne ihn aufzulösen; und muthspiel mit einem unendlichen abendländischen erfahrungshorizont zwischen atonalität und liedhafter zärtlichkeit", beschrieb die frankfurter allgemeine das duo treffend. mit ihrem neuen album "freindly travelers" kommen die künstler nun auch nach graz.
brian blade & wolfgang muthspiel
auf reisen
woche, graz, 8. april 07
man nehme zwei weltklasse-künstler und stellt sie gemeinsam auf eine bühne: der österreichische gitarrist wolfgang muthspiel und der amerikanische schlagzeuger brian blade, die musikalisch perfekt miteinander harmonieren, erzeugten auf ihrer "friendly travelers"-tour in der generalmusikdirektion eine ganz spezifische atmosphäre, die die gäste begeisterten.
